Verschaff mir Recht: Joanita Ssenfuka

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Joanita Warry Ssenfuka (35) aus Uganda ist Telekommunikationsingenieurin und Frauenrechts-Aktivistin.

Ich fastete und betete

Mit sieben Jahren fühlte ich mich zu meiner besten Freundin hingezogen, mit vierzehn Jahren wurde mir klar, dass ich etwas bin, das man „lesbisch” nennt. Das wollte ich auf keinen Fall sein! Ich fastete. Ich betete zu Gott. Ich zwang mich dazu, eine Beziehung mit einem Jungen einzugehen. Ich habe viel ausprobiert, um „den Teufel in mir” auszutreiben – aber nichts hat funktioniert. Irgendwann erkannte ich, dass sich meine Gefühle niemals ändern werden. Ich sagte mir: Gott sieht alles, er wusste vor meiner Geburt, dass ich lesbisch sein werde. Trotzdem hat er zugelassen, dass ich auf die Welt komme. Also, so schloss ich, muss mein Leben einen Sinn haben.

Dein Leben wird nie mehr dasselbe sein

2014 scheiterte der Versuch der Konservativen, in Uganda die Todesstrafe oder lebenslange Haft auf Homosexualität einzuführen. Seither gab es trotzdem einen starken Anstieg der Verhaftungen aufgrund von Homosexualität. Die Polizei benutzt immer noch das alte, koloniale Gesetz, um Homosexuelle zu verhaften. Falls ein Anwalt fragt, ändert die Polizei den offi ziellen Verhaftungsgrund in Landstreicherei oder Erregung öffentlichen Ärgernis. Selbst wenn die Polizei dich wieder freilässt, ist dein Leben nie wieder dasselbe, nachdem dein Gesicht in allen Zeitungen zu sehen war, neben der Schlagzeile: „Diese Person wirbt für Homosexualität, sie rekrutiert unsere Kinder!” Ab diesem Moment ist es sehr schwer, eine Wohnung oder eine Arbeit zu fi nden. Viele werden von ihren Familien verstoßen, homosexuelle Teenager werden von der Schule verwiesen.

Wir müssen mit der Kirche in Dialog treten

Die Kirche sollte uns beschützen, jeden Christen, jeden Menschen. Stattdessen war die Kirche Mitglied im Komitee, welches 2014 versuchte, das Gesetz gegen Homosexualität zu verabschieden. Dadurch unterstützte die Kirche direkt Gewalt! Wir haben mehr Pastoren als Ärzte oder Krankenschwestern in Uganda, und mehr Pfarreien als Krankenhäuser. Viele Pfarrer predigen Hass gegen Homosexuelle. Die Kirchen haben viele Anhänger, es sind Tausende von Menschen, die auf ihre Worte hören. Um die Situation in Uganda zu verbessern, müssen wir mit der Kirche in Dialog treten.

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