Verschaff mir Recht: John Kashiha

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John Justin Kashiha (32) aus Tansania hat einen Universitätsabschluss, aber schon fünf Jobs verloren, weil er schwul ist. Die Kriminalisierung macht sein Leben schwer. „Manchmal frage ich Gott nach dem Warum und wie ich mit dieser Ablehnung umgehen kann.“

Vorurteile vom Hörensagen

Es muss sehr schwierig sein, eine sexuelle Orientierung zu verstehen, wenn man sie selbst nicht hat. Als ich meiner Mutter erzählte, dass ich schwul bin, dachte sie zunächst, ich sei vom Teufel besessen. Sie schickte mich in die Kirche, zu Schamanen, Heilern und ins Krankenhaus. Die Gesellschaft in Tansania ist sehr homophob und diskriminierend. Es gibt keine neutralen Quellen, die über schwule oder lesbische Menschen aufklären. Meine Mutter hatte nur die Vorurteile im Kopf, von denen sie gehört hatte.

Offi ziell kriminell

Das Gesetz in Tansania verurteilt Homosexuelle offi ziell als Kriminelle. In letzter Zeit ist die Zahl der Verhaftungen gestiegen − von Homosexuellen, aber auch von Aktivisten, die sich für homosexuelle Menschen einsetzen. Die Situation für Schwule und Lesben in Tansania verschlechtert sich also gerade, statt besser zu werden. Folgen dieser Kriminalisierung von Homosexualität sind nicht nur gewalttätige Übergriffe, sondern auch ein gesteigertes HIV-Risiko und eine höhere Selbstmord-Quote. Schwule und lesbische Menschen leiden sehr, weil sie niemanden haben, mit dem sie reden können, auch nicht, wenn sie gefoltert, verprügelt oder erpresst werden. Wenn du krank oder verletzt bist, kann es passieren, dass dir das Krankenhaus die Behandlung verweigert mit dem Argument: „Dies ist kein Krankenhaus für Schwule”. Homosexuelle Menschen werden von Vermietern aus ihren Häusern vertrieben. Ich habe wegen meiner Sexualität bereits fünf Jobs verloren. Erst vor kurzem wurde ich für sieben Tage verhaftet.

Gott wusste, dass ich schwul sein werde

Ich habe Momente, in denen ich mir wünsche, dass Gott mir das Warum zeigt. Wie kann ich lernen, mit dieser Ablehnung umzugehen? Ich habe nie entschieden, schwul zu sein. Es war Gott, der das entschieden hat, als er mich erschaffen hat. Diskriminierung von Schwulen und Lesben ist vor allem in der Kirche ziemlich stark. Dabei gibt es sehr viele homosexuelle Kirchenmitglieder. Irgendwann müssen Staat und Kirche Schwule und Lesben akzeptieren. Denn: Sie können die härtesten Gesetze aufstellen, aber sie können die Menschen nicht davon abhalten, das zu sein, was sie sind.

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